Dein Nervensystem führt mit

Selbstregulation als Wettbewerbsvorteil, autonome Körperprozesse und drei konkrete Werkzeuge für deinen Alltag.

Ich bin zurück in Österreich und ich bringe etwas mit.

Unter anderem Erkenntnisse darüber, wie ich zukünftig arbeiten werde, aber auch etwas, das tiefer geht: eine veränderte Art, wie ich in bzw. mit meinem Körper lebe, wie ich auf Druck reagiere und wie ich Energie halte. Denn die größten Veränderungen passieren nicht während einer Reise. Sie passieren danach, wenn uns der Alltag wieder einholt und wir feststellen, was für uns nicht mehr verhandelbar ist.

Was ich aus London mitgenommen habe, hat mich zurück zu einer Erkenntnis geführt, die ich zwar kenne – als Yogalehrerin, als Mentaltrainerin, als Coach – die ich in der Vergangenheit aber offenbar nicht konsequent genug gelebt habe:

Unser Nervensystem führt mit, ob wir wollen oder nicht.

Was dein Nervensystem mit deiner Führung zu tun hat

Ich bin nicht nur Leadership Coach, ich bin auch Yogalehrerin und Mentaltrainerin. Deshalb liebe ich es, Zusammenhänge wissenschaftlich aufzudröseln, weil es hilft, zu verstehen, warum wir tun, was wir tun.

Dein autonomes Nervensystem läuft im Hintergrund. Immer. Es entscheidet, ob du klar denkst oder reaktiv agierst. Ob du Ressourcen hast oder im survival mode feststeckst. Und es tut das schneller, als du bewusst darauf reagieren kannst.

Vereinfacht gesagt gibt es zwei Zustände, zwischen denen dein System ständig reguliert:

Der Sympathikus, dein Gaspedal. Er wird aktiviert bei wahrgenommener Gefahr – auch wenn diese Gefahr ein volles E-Mail-Postfach oder ein schwieriges Meeting ist. Was dabei in deinem Körper passiert: Herzschlag steigt an, Atem wird flacher, Muskeln spannen sich an, Verdauung stoppt, Fokus verengt sich. Absolut nützlich bei echten Krisen, jedoch problematisch als Dauerzustand.

Der Parasympathikus, deine Bremse, dein Ruhepol. Aktiv, wenn du dich sicher fühlst. Dein Herzschlag sinkt, der Atem vertieft sich, Muskeln entspannen, Verdauung läuft, Fokus weitet sich. Hier triffst du deine besten Entscheidungen. In diesem Zustand bist du wirklich präsent.

Das klingt nach Biologie und ja, das ist es. Doch es ist gleichzeitig das Fundament von allem, was wir unter Führungsqualität verstehen: für Entscheidungsstärke, Empathie, strategisches Denken, echte Präsenz und und und. Dein Team spürt innerhalb kürzester Zeit, in welchem Zustand du dich befindest – noch bevor du ein Wort sagst. Es ist keine Interpretation, keine Projektion, es ist schlicht und ergreifend Neurobiologie.

Woran du erkennst, in welchem Zustand du gerade bist

Viele Führungskräfte, die zu mir kommen, wissen intellektuell, dass sie gestresst sind. Was ihnen allerdings fehlt, ist die Körperkompetenz, wie sie damit zielführend umgehen, sowie die Fähigkeit, frühzeitig wahrzunehmen, in welchem Modus sie sich befinden, bevor es zu spät ist.

Hier sind die Signale, die immer wieder erkennbar sind:

Wenn der Sympathikus dominiert, fühlt es sich so an: müde, aber kann nicht abschalten. Schnell gereizt oder ungeduldig. Entscheidungen fühlen sich schwer an. Wenig Geduld für das Team. Schlaf erholt nicht wirklich.

Wenn der Parasympathikus aktiv ist, fühlt es sich so an: erholt nach dem Schlafen. Ruhig unter Druck. Entscheidungen kommen easy. Echte Präsenz in Gesprächen. Energie, die sich regeneriert.

Der Unterschied zeigt sich am deutlichsten in konkreten Führungssituationen. Und genau hier wird es praxisnah.

Dieselbe Situation. Zwei verschiedene Nervensysteme.

Stell dir vor, ein Mitarbeiter macht einen Fehler. Was passiert?

Im Sympathikus-Modus: sofortige Kritik, Ungeduld, der Impuls zu kontrollieren. Du reagierst, bevor du gedacht hast.

Im regulierten Zustand: eine kurze Pause. Neugier statt Vorwurf. Ein konstruktives Gespräch, das die Person weiterbringt (Und wenn wir uns ehrlich sind, dich auch!).

Oder eine unerwartete Krise tritt auf:

Im Sympathikus-Modus: Panik, Aktionismus, Tunnelblick. Das Team orientiert sich an deiner Unruhe.

Im regulierten Zustand: Klarheit, Priorisierung, das Team wird stabilisiert. Du bist der ruhige Pol, dem sie folgen wollen.

Wenn ein wichtiges Feedbackgespräch ansteht:

Im Sympathikus-Modus: defensiv, ausweichend, überreagierend. Die andere Person macht zu.

Im regulierten Zustand: offen, neugierig, lernbereit. Echte Verbindung entsteht.

Ich sage das nicht, um ein Idealbild zu zeichnen, dem niemand entspricht. Ich sage es, weil ich diese Muster täglich in meiner Arbeit beobachte und weil die Führungskräfte, die sich ihrer Nervensystemzustände bewusst sind, langfristig nicht nur wirksamer, sondern vor allem gesunder führen.

Im Sympathikus-Modus führen wir reaktiv, kontrollierend, ungeduldig, kurzfristig denkend. Im regulierten Zustand führen wir responsiv, vertrauend, präsent, strategisch.

Good news: Das Nervensystem ist trainierbar.

Das ist kein Wunschdenken. Neuroplastizität, die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern, ist wissenschaftlich belegt. Und Nervensystemregulation ist eine Fähigkeit, die man entwickeln kann, wie einen Muskel, den man trainiert.

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Dein Team spürt innerhalb kürzester Zeit, in welchem Zustand du dich befindest – noch bevor du ein Wort sagst.

Natürlich gibt es unzählige Möglichkeiten, wie Nervensystemregulation aussehen kann. Was ich heute hier teile, ist das, was für mich funktioniert – in meiner Praxis als Yogalehrerin, in meiner Arbeit mit Führungskräften und in meinem eigenen Alltag:

  1. Breathwork

Bewusstes Atmen ist das einfachste Werkzeug, das wir haben, um das autonome Nervensystem zu beeinflussen. Der Atem ist die einzige körperliche Funktion, die sowohl automatisch abläuft als auch bewusst gesteuert werden kann und genau das macht ihn so wundervoll.

Was ich verwende: Die verlängerte Ausatmung. Wenn die Ausatmung länger ist als die Einatmung, aktiviert sich der Parasympathikus. Zum Beispiel vier Zähler einatmen, sechs bis acht Zähler ausatmen. Drei Minuten genügen, um messbare Veränderungen im Herzrhythmus herbeizuführen.

Im Alltag: vor einem schwierigen Gespräch, nach einem intensiven Meeting, in dem Moment, in dem ich merke, dass ich nur noch reagiere.

  1. Meditation

Ich weiß, das Wort alleine löst bei manchen Menschen ein innerliches Augenrollen aus. Zu esoterisch, zu zeitaufwändig, zu wenig greifbar. Also sprechen wir Klartext: Meditation ist mentales Training. Es geht nicht darum, den Geist zu leeren. Es geht darum, zu lernen, Gedanken wahrzunehmen, ohne von ihnen mitgerissen zu werden. Diese Fähigkeit – die sogenannte Metakognition – ist eine der wichtigsten Führungskompetenzen, die es gibt.

Wer meditiert, trainiert die Fähigkeit, in Stressmomenten einen Schritt zurückzugehen und zu beobachten, bevor man reagiert. Somit ist es ist kein spirituelles Konzept. Das ist angewandte Neurowissenschaft.

Meine Praxis: täglich, morgens und abends, zehn bis zwanzig Minuten eine geführte Meditation, weil mir diese Art der Meditation am meisten gibt.

  1. Yoga und somatische Übungen

Trauma und chronischer Stress speichern sich im Geist und im Körper. Das weiß die Traumaforschung seit Jahrzehnten und es bedeutet: kognitive Arbeit allein reicht nicht aus. Wir brauchen körperbasierte Werkzeuge, um tiefere Spannungsmuster zu lösen.

Dazu gehört für mich Yoga als Gesamtpraxis – die Verbindung von Bewegung, Atem und Aufmerksamkeit. Genauso wie spezifischere Techniken, die ich in meiner Arbeit einsetze:

Dead Arms: sanftes, passives Ausschütteln der Arme und Schultern, um gehaltene Spannung im oberen Körper zu lösen.

Butterfly Tapping: sanftes Klopfen auf Brust bzw. Schultern, bilateral, um das Nervensystem zu beruhigen. Wird in der Traumatherapie ebenso eingesetzt wie im Leistungssport.

EFT: Klopfakupressur auf spezifische Meridianpunkte, kombiniert mit verbaler Benennung des Stresszustands. Klingt ungewöhnlich, hat aber eine wachsende Evidenzlage bei Angst und emotionaler Dysregulation.

Diese Werkzeuge muss man nicht alle gleichzeitig einsetzen. Ein einziges, konsequent angewendetes Werkzeug verändert mehr als zehn, die man gelegentlich ausprobiert.

Was das alles mit Führung zu tun hat

Ich werde manchmal gefragt, ob Nervensystemregulation wirklich ein Führungsthema ist. Ob das nicht eher in die Kategorie “persönliches Wohlbefinden” fällt. Meine Antwort: Selbstführung ist die Grundlage jeder Teamführung. Ich werde nicht müde, dies immer und immer wieder zu erwähnen. Wer sich selbst nicht regulieren kann, wird es schwer haben, ein Team zu stabilisieren. Wer im Dauerstress lebt, fährt seine Mitarbeitenden ebenfalls in den Sympathikus-Modus – durch Ansteckung, durch Vorbildwirkung, durch die Energie, die er oder sie in den Raum bringt.

Präsenz entsteht nicht durch mehr Wissen, mehr Vorbereitung oder mehr Optimierung. Sie entsteht durch einen regulierten Körper und einen klaren Geist. Durch die Fähigkeit, wirklich da zu sein, für sich selbst und für andere.

Wie geht es dir damit?

Erkennst du dich in einem der beiden Nervensystem-Zustände wieder? Arbeitest du bereits mit Werkzeugen zur Regulation oder stehst du gerade am Anfang?

Wenn du das Thema vertiefen möchtest – in einem 1:1-Coaching, einem Workshop für dein Team oder einer Keynote – dann bin ich gerne für dich da.

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