Selbstführung als Basis. Für alles.
Es gibt eine Herausforderung, an der mehr Führungskräfte scheitern als an jeder Strategie, jedem Prozess oder jedem Marktumfeld. Und es ist gleichzeitig die, über die am wenigsten gesprochen wird. Nein, es geht nicht um zu wenig Fachwissen, nicht um zu wenig Erfahrung und auch nicht um die falschen Strategien.
Die größte Herausforderung in der Führung ist fehlende Selbstführung.
Warum? Weil Selbstführung nach innen zeigt und unsere Leadership-Kultur nach außen hin orientiert ist. Was du innerlich brauchst, um dauerhaft gut zu führen, taucht in den wenigsten Entwicklungsprogrammen auf. Es gibt Führungsseminare über Kommunikation, Strategie, Entscheidungsfindung, Delegieren, doch kaum eines über die Person, die all das ausführen soll.
Das ist die Lücke, die ich schließen möchte. Und dieser Blogbeitrag ist mein persönlichster Versuch, zu erklären, warum.
Was Selbstführung nicht ist
Bevor ich darauf eingehe, was Selbstführung ist, möchte ich ein Missverständnis aus dem Weg räumen, dem ich regelmäßig in meiner Arbeit begegne. Selbstführung ist nicht noch eine Morgenroutine, die man durchhalten muss. Nicht mehr Disziplin. Nicht sich noch mehr abverlangen. Nicht ein weiteres Optimierungsprojekt für Menschen, die ohnehin schon zu viel von sich verlangen.
Selbstführung ist das genaue Gegenteil davon. Selbstführung bedeutet: zu wissen, was du brauchst und es dir zu geben. Entscheidungen zu treffen, die zu dir passen, nicht zu dem, was von dir erwartet wird. Die Person zu sein, zu der du selbst aufsiehst.
Das klingt einfacher als es ist, denn die meisten Führungskräfte, die zu mir kommen, sind hervorragend darin, für andere zu sorgen. Für ihr Team, für ihre Klienten, für ihre Organisation. Und gleichzeitig haben sie verlernt – oder vielleicht nie gelernt – diese Führungsqualität auch auf sich selbst anzuwenden.
Der Moment, der alles verändert hat
Was ich jetzt schreibe, teile ich selten so offen, doch ich glaube, dass es für die story wichtig ist. Nicht unbedingt als Geschichte über mich, sondern als Spiegel für das, was ich in meiner Arbeit immer wieder erkenne.
2018 sah mein Leben so aus: Sechs Tage die Woche. 6:30 bis 20:30 Uhr. Danach noch ins Gym, weil es irgendwie gehen musste. Sonntags schlafen, um wieder sechs Tage durchzuhalten. Ich war Führungskraft. Ich war verantwortlich für ein Team. Ich habe geführt.
Aber was war ich für ein Vorbild?
Dann kam der Moment auf der Autobahn. Fast hätte ich mit 140 km/h einen Unfall gebaut. Und mein erster Gedanke war nicht Erleichterung. Nein, mein erster Gedanke war: „Es wäre mir egal, wenn es jetzt vorbei wäre.“ Das war der Moment, in dem ich verstanden habe, dass ich andere geführt habe – und auf mich selbst vollkommen vergessen habe. Kurz danach habe ich gekündigt, bin nach Indien gegangen und habe meine Yogalehrer-Ausbildung gemacht. Zum ersten Mal seit Jahren habe ich damit aufgehört, Leistung als Beweis meines Wertes zu verwenden.
Was ich von dieser Reise mitgenommen habe, hat bis heute einen großen Einfluss auf meine Arbeit. Zwei Grundsätze daraus möchte ich heute mit dir teilen:
• Führung beginnt immer in uns.
Würdest du einem Teammitglied sagen, was du dir selbst täglich sagst? Du würdest einem Teammitglied niemals sagen: „Schlaf weniger, damit du mehr schaffst. Ignoriere deine Signale. Du darfst keine Grenzen haben. Dein Wert hängt von deiner Leistung ab.“
Trotzdem ist das für viele Führungskräfte die innere Standardkommunikation.
Was gute Führung für das Team bedeutet, weiß die Mehrheit der Führungskräfte, mit denen ich arbeite, sehr genau: Stärken erkennen und fördern. Klare Erwartungen setzen und die Ressourcen dazu geben. Fehler als Teil des Wachstums erlauben. Vor Überlastung schützen.
Was gute Führung für einen selbst bedeutet, ist vielen weniger vertraut: Energie als Ressource behandeln. Sich selbst Fehler erlauben. Grenzen setzen als Führungsentscheidung begreifen. Sich fragen: „Was brauche ich gerade?“ Und nicht: „Was wird erwartet?“
Der Standard, den du an dein Team anlegst, ist meistens fairer als der, den du an dich selbst anlegst. Sieh diese Erkenntnis gerne als Einladung.

• Weniger tun kann mehr erreichen.
Ich weiß, wie das klingt. Weniger tun, mehr erreichen. Ein Versprechen, das irgendwie zu gut ist, um wahr zu sein. Und das bleibt es auch – solange man glaubt, dass Einsatz und Ergebnis immer proportional sind.
Denn das stimmt nicht.
Das sage ich als jemand, der die letzten Jahre als Beweis erlebt hat. In den letzten Monaten habe ich mich viel mit Präsenz, Nervensystem, Entscheidungsqualität, persönliche Standards und Selbstführung auseinandergesetzt. Das war kein Zufall und es waren keine wahllos zusammengewürfelten Themen. Das waren die Bausteine eines Systems.
Und das System lautet:
Es geht darum, das Richtige zu tun – statt viel zu tun.
Es geht darum, aus Klarheit zu handeln – statt aus Druck.
Es geht darum, Energie zu investieren – statt sie zu verbrauchen.
Es geht darum, wirksam zu sein – statt beschäftigt.
Der Unterschied liegt nicht im Quantum der Arbeit. Er liegt im Zustand, aus dem heraus man arbeitet und dieser Zustand – reguliert, klar, verankert in echter Selbstkenntnis – ist das, was ich unter Selbstführung verstehe. Wer nicht präsent ist, führt reaktiv. Wer ein dysreguliertes Nervensystem hat, trifft schlechtere Entscheidungen – unabhängig von Intelligenz oder Erfahrung. Wer keine klaren persönlichen Standards hat, verschwendet Energie auf Entscheidungen, die längst hätten getroffen sein sollen. Wer sich selbst nicht führt, kann andere nicht langfristig führen. Und wer all das zusammenbringt, der erfährt das, was ich das Performance Paradox nenne:
Weniger tun. Mehr erreichen.
Das ist für mich keine Motivationsfloskel, für mich bedeutet diese Aussage das Ergebnis eines Systems, das von innen heraus funktioniert.
Ab September beginnt das nächste Kapitel: Das Performance Paradox als vollständiges System. Alles, was in den letzten Monaten als einzelner Baustein stand, fügt sich jetzt zu einem Rahmen zusammen, den ich in meiner Arbeit mit Führungskräften, in Keynotes, Workshops und im 1:1-Coaching einsetze. Es ist das Herzstück meiner Arbeit. Und ich freue mich außerordentlich darauf, es in seiner vollen Tiefe zu teilen. Alles, was du in den letzten Monaten von mir auf den unterschiedlichsten Kanälen gelesen, gehört oder erlebt hast, war die Grundlage dafür, was jetzt kommt. Stay tuned.
Wenn du das Thema bereits jetzt vertiefen möchtest – in einem 1:1-Coaching, einem Workshop für dein Team oder einer Keynote – dann bin ich gerne für dich da.
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